3 Rezensionen zu meinem Buch „ Verrat in München und Burghausen“

 

Unten drei Rezensionen zu meinem neuen Buch welche auf Amazon erschienen. Dazu ein Leseauszug aus haGalil Onlinehttp://www.hagalil.com/2018/09/brym-5/ Ihr könnt und dürft bestellen. Eure Meinung ist mir wichtig, Dieser politische Roman führt uns in die Anfangsjahre des Hitlerfaschismus (1933 – 1934) nach Schwabing in München, der „Hauptstadt der Bewegung“, und in die niederbayrische Provinz am Inn. Der Romanheld Hans Faber, Rechtsanwalt und KPD-Widerstandskämpfer, leistet als formales NSDAP-Mitglied konspirative Aufklärungsarbeit für die in der Stadt verbliebenen Antifaschisten und Emigranten des Widerstands. Dabei riskiert er sein eignes Leben und das seiner geliebten Lore, die als Sekretärin bei SA-Chef Ernst Röhm als Sekretärin arbeitet – bis zur Nacht der langen Messer.
Der Autor lässt Faber in Wort und Schrift in den Mitteilungen und Berichten an den geheimen Abwehrapparat der KPD in die Welt des deutschen Faschismus eintauchen. Seine Einschätzungen erscheinen als real, aus ihnen können wir heute noch lernen. Viele Begegnungen Fabers überraschen uns: Er trifft persönlich u.a. Adolf Hitler, Ernst Röhm, Reinhard Heydrich und auf der Gegenseite Hans Beimler, Hermann Frieb und Walter Ulbricht.
Die Unmenschlichkeit und Widerwärtigkeit der NS-Größen in der damaligen Zeit wird in dem Roman lebendig und macht zugleich nachdenklich.
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Lebendige Geschichte -Widerstand gegen den Faschismus besonders in Bayern
Der Autor hat die Fähigkeit reale Geschichte ungeheuer spannend und Faktenreich darzustellen. Das Buch hab ich auf einen Sitz in der Nacht gelesen. Sein zentraler Held – Hans Faber- ist erfunden. Alle anderen Personen sind real. Max Brym erzählt warum der SA Aufmarsch am 30 Januar 1933 in München ausfiel. Seine zentralen Helden sind Personen wie Hans Beimler, Franz Stenzer Wilhelm Olschewski und andere Arbeiterfunktionäre in München. Dargestellt wird die schändliche Kapitulation der SPD im Deutschland und in Bayern. Die damaligen Fehler der KPD werden breit beschrieben. Die Geschichte wird heruntergebrochen auch auf viele Kleinstädte in Oberbayern. In Burghausen waren die kommunistischen und sozialdemokratischen Arbeiter kampfbereit. Örtliche Funktionäre wie Heinrich Breu aus Burghausen Simon Vorburger, Ludwig Lankes ebenfalls aus Burghausen warteten auf den Auftrag, ihre illegalen Waffenlager zu öffnen. Auch der Reichsbanner unter Schenck aus Burghausen wollte kämpfen. Aber die Order kam nicht. Anschließend begann der mühsame Weg des illegalen Widerstandes. Besonders gewürdigt wird Herrman Frieb aus München welcher in der Gruppe „ Neu Beginnen“ arbeitet. Über diese linke Abspaltung der SPD, welche zusammen mit oppositionellen Kommunisten arbeitete erfuhr ich zum ersten mal etwas in dem Buch. Hermann Frieb baute in München die aktivste Widerstandsbewegung im süddeutschen Raum auf. Nach ihm ist in München eine Realschule am Hohenzollernplatz benannt. Aber die Website der Schule gibt wenig her über den Namenspatron. Die KPD leistete Widerstand, aber nach dem 9. März wurde die Partei in Bayern weitgehend zerschlagen. Von 20.000 Mitgliedern der KPD 1933 in Bayern landeten knapp 5.000 für kürzere oder längere Zeit im Gefängnis, oder im KZ. In einigen Fällen gelang es der GESTAPO einzelne Leute als Agenten anzuwerben. Besonders intensiv beschäftigt sich der Autor mit dem Agenten Max Troll aus Giesing -Parteinahme Theo- welcher Ende 1935 an die Spitze der KPD in Bayern gelangte. Damit wurde der Widerstand für einige Zeit direkt von der Gestapo geleitet. Anschließend im Frühsommer 1936 wurde de facto die KPD in Südbayern komplett von den Nazis zerschlagen. Der Held des Romans welcher für den Abwehrapparat der KPD tätig ist warnt in dem Roman längere Zeit vor „Theo“. Anschaulich wird die Rolle der Industrie vor allem in Bayern dargestellt. Die Wacker Chemie beispielsweise in Burghausen steht hinter ihrem Ingenieur dem SS Führer Dr. Zabel. Dieser bekämpft nicht nur die Kommunisten, sondern auch den „ Lumpenproletarier „ Ludwig Malcomeß. Letzterer war der erste NSDAP Kreisleiter in Altötting. Ein typischer SA Rabauke welcher nützlich war im Kampf gegen Kommunisten und Sozialdemokraten, dann aber den Industriebossen wegen seiner Eigenmächtigkeiten im Wege stand. Damit erklärt Max Brym viele Ursachen des sogenannten Röhm Putsches. Über die Liquidierung der SA Führung wird direkt im Roman berichtet. Die Freundin des Romanhelden arbeitet als Sekretärin bei Röhm für die KPD. Im Roman tauchen alle Nazigrößen aus München bis hin zu Hitler auf. Der Held verkehrte im Parteiauftrag der KP mit sämtlichen Naziführern in München. Darunter sind die späteren Kriegsverbrecher Alfred Rosenberg und Hans Frank. Zudem mit den Leibfotografen Hitlers, Hoffmann aus der Schellingstraße in München. Gezeigt wird auch die widerliche Gestalt Christian Weber, sowie der korrupte Hermann Esser. Immer wieder verzweifelt der Held des Romans an der Linie der KPD. Dennoch ist er persönlich mit Hans Beimler und Ludwig Ficker befreundet. Oft muss der Romanheld zu den verschiedenen Leitungsinstanzen der KPD in der Emigration. Dabei trifft er Herbert Wehner, Walter Ulbricht aber auch die späteren Opfer des Stalinismus Hermann Schubert, Fritz Schulte und natürlich den Chef des KPD Abwehrapparates Hans Kippenberger. Stets ist der Held geradezu verzweifelt über die Stimmung in der in weiten Teilen der Emigration Seine Berichte speziell über die Situation in Bayern werden weitgehend ignoriert.

Max Brym hat ein spannendes zeitgeschichtliches Buch geschrieben. Vor allem seine Fähigkeit lokale oder regionale Details mit der Gesamtsituation zu verbinden ist erstaunlich. Unbedingt lesen- sehr aktuell- aus der Geschichte muss gelernt werden.
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Dieser historische Roman wirft einen Blick auf die deutsche Geschichte und den aufhaltbaren Aufstieg des deutschen Faschismus, wie wir ihn aus der west- und ostdeutschen Literatur nicht kennen. Ohne sich bei langen Millieustudien zu verzetteln, kommt der Autor immer gleich zur Sache, und schildert uns kurz und eindringlich das Wesen zeitgeschichtlicher Personen, und beweist dabei, dass die deutche Arbeiterbewegung den Faschismus hätte aufhalten können, wenn sie es denn richtig angefasst hätte.

Bild könnte enthalten: Max Brym, sitzt

 

 

Brief aus Waldkraiburg zu „ Verrat in München und Burghausen“

 

Hallo Max, dein neues Buch ist sehr gelungen. Deutlich machst du den verzweifelten und fehlerhaften Kampf der Arbeiterbewegung gegen den Faschismus. Gleichzeitig nennst du historische Details -nicht nur zu den Vorgängen in München- sondern auch zu Mühldorf, Altötting und Burghausen. Hier in Waldkraiburg hatte die AFD fast 20% bei der Landtagswahl. Die SPD nur noch 8,6% in einer Arbeiterstadt mit fast 25.000 Einwohnern. Was fehlt ist eine rote Gegengesellschaft und Klassenbewusstsein welches du hervorragend auch für unsere Region historisch beschreibst. Neu war mir dass es selbst in dem Marktflecken Kraiburg am Inn Widerstand gab. Dazu eine starke KPD in Neuötting und Burghausen. Danke für dein Buch. Wir können daraus lernen. Der Buchhandlung Herzog in Waldkraiburg habe ich empfohlen dein Buch ins Sortiment zu nehmen.

 

Grüße Alfred E. Ein alter Schulkamerad von dir welcher in Waldkraiburg hängenblieb.

 

 

 

 

Wie real ist der Roman „ Verrat in München und Burghausen”?

 

Sehr geehrter Herr Brym, ich interessiere mich für Ihren neuen Roman „ Verrat in München und Burghausen“. Allerdings stellt sich mir die Frage wie real ihr Buch historische Fakten und Personen wiedergibt. Was erfährt man über den Antifaschisten Hermann Frieb aus München? Wie real ist ihre Darstellung von Personen wie Wilhelm Olschewski, Hans Beimler oder von Heinrich Breu aus Burghausen. Gab es auch Widerstand in dem kleinen Marktflecken Kraiburg am Inn ?

 

Viele Grüße Hanelore F. aus München

 

Antwort Hallo und danke für Ihre Zuschrift. Nun zu Ihren Fragen. Erfunden sind in dem Roman nur der Held und sein familiäres Umfeld. Grundsätzlich-  Das Buch " Verrat in München und Burghausen" versucht Geschichte auf antifaschistischer Grundlage lebendig werden zu lassen. Wichtige Personen des Widerstandes aus den Städten Burghausen, Altötting, Neuötting und München werden dem Vergessen entrissen. Fehler der Arbeiterbewegung werden konkret auf örtlicher Basis von 1933 bis 1935 benannt. Die Geschichte ist eingebettete in die allgemeine Lage. Neben örtlichen antifaschistischen Personen wie Hermann Frieb- München- Heinrich Breu- Burghausen kommen auch die Nazis zentral und dezentral vor. Von dem NSDAP Kreisleiter in Mühldorf am Inn, bis hin zu dem späteren " Polenschlächter" Hans Frank aus München. Das Buch will eine Anleitung zum Handeln heute liefern. Ohne Berücksichtigung historischer Erfahrungen ist dies unmöglich. Es gab Widerstand gegen den Faschismus sowohl in der Provinz – es werden dabei reale Personen benannt- wie in der Großstadt. Der Held des Romans ist entsetzt über die kampflose Kapitulation der Arbeiterbewegung nach dem 30 Januar 33. Viele Kommunisten in Burghausen, Penzberg und München, forderten nicht nur einen Aufruf zum Generalstreik,, sondern kollektiven bewaffneten Widerstand. Die Hoffnung dieser Kommunisten war dadurch die sozialdemokratischen Arbeiter mitzureisen. Aber die Führungen der Arbeiterparteien lehnten aktive Kampfmaßnahmen ab. Die Gewerkschaften verweigerten sich dem Aufruf zum Generalstreik.. In München kapitulierte die sozialdemokratische Führung des ADGB vor der Belagerung des Gewerkschaftshauses im März 33 durch die Nazis. Die KPD im Untergrund war ziemlich schnell von Spitzeln der Gestapo durchsetzt. Dennoch gibt es heldenhaften Widerstand. Breit wird die Tätigkeit des Gestapo Agenten „ Theo“ – Max Troll aus Giesing in der bayerischen KPD dargestellt. Diese Tätigkeit war verhängnisvoll. Der Nachfolger von Theo ließ 1938 eine illegale Zelle der KPD bei der Wacker Chemie in Burghausen auffliegen. All das ist nicht erfunden. Mühsame Recherche war notwendig. Zu ihrer letzten Frage: Es gab auch in dem Marktflecken Kraiburg am Inn einige Einzelpersonen im Widerstand. Auch diese werden mit Klarnamen benannt. Natürlich auch der Kraiburger Ortsgruppenleiter der NSDAP Diener.

 

Hier ein noch nicht lektorierter Auszug au dem Buch welches am 24 September erscheint.

http://www.max-brym.de.rs/verrat-in-muenchen-und-burghausen-neues-buch

 

Eine Bestellung kann hier erfolgen http://www.bookra-verlag.de/b17.html

 

Ich bin auf Ihre Meinung gespannt.

Viele Grüße Max Brym

 

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Verrat in München und Burghausen“ Hans Faber ist Rechtsanwalt, Mitglied des geheimen Abwehrapparates der KPD und als solcher formal Mitglied der NSDAP in München. Ab 1932 ist er zudem Mitglied der Gruppe „ Neu Beginnen“ bestehend aus KPD und SPD Mitgliedern. Er lebt vorwiegend in München. Am Wochenende zieht es ihn meist in seine elterliche Wohnung nach Burghausen an der Salzach. Öfter weilt er auch in Kraiburg am Inn, in der Nähe von Mühldorf, bei seiner Schwester. In der ländlichen Gegend führt er viele geheime Treffen mit Widerstandskämpfern aus ganz Deutschland durch. Sowohl in der Großstadt, sowie in der Provinz erlebt er heldenhaften Widerstand gegen den Faschismus aber auch Niedertracht und Verrat. Intuitiv hat er ab 1934 einen besonderen Verdacht gegen den KPD Funktionär „Theo“ aus Giesing. Er kennt alle Nazigrößen persönlich. Sie widern ihn an. Hans Faber arbeitet er eng mit der Widerstandsgruppe unter der Leitung von Hermann Frieb aus der Schellingstraße in München zusammen. Der Romanheld Hans Faberlebte im Widerstand gegen Niedertracht und Barbarei. Die anderen Widerstandskämpfer werden dem Vergessen entrissen. PS: Der Text ist noch ohne Lektorat. Das Buch wird im Herbst im Bookra Verlag in Leipzig erscheinen. Mein letztes Buch- „ Oskar Quengels Auftrag für Kippenberger bei General von Schleicher“ kann unter folgendem Link bestellt werden http://www.bookra-verlag.de/b16.html Viele Grüße Max Brym

 

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Fritz Schwaegerl im Unterbräu in Kraiburg am Inn 



Der Unterbräu war für die Verhältnisse in dem kleinen Nest ziemlich gut gefüllt. Eine nette rustikale Bedienung fragte den Herrn Rechtsanwalt was es denn sein dürfte. Hans Faber bestellte für alle den allseits bekannten Schweinebraten. Dann ging die Türe auf, eine Abordnung örtlicher Nazis erschienen in der Gaststätte. Angeführt wurde die uniformierte Bande von dem jungen Kreisleiter der Nazi Partei Fritz Schwaegerl aus Mühldorf am Inn. In seinem Gefolge befanden sich dörfliche Kleinbürger, der Ortsgruppenleiter Diener, sowie der SA Führer Thalhammer. Fritz Schwaegerl bewegte sich sofort auf den bekannten“ Parteigenossen“aus München zu. Der junge Kreisleiter versuchte lässig zu wirken und hatte eine Zigarre im Maul. Ungefragt setzte sich die Nazibande an den Tisch, um mit dem geehrten Gast und seiner charmanten Begleitung zu quatschen. Immer wieder betonte Schwaegerl, wie wichtiges sei „mit der „Kommune und der schwarzen Bande vor allen Dingen im Kreis Altötting abzurechnen“. Hans Faber stimmte zu und berichtete von der positiven Stimmung welche in München in der Partei herrscht. Etwas anzüglich versuchte der junge Kreisleiter mit Lore ins Gespräch zu kommen. Der Schuster Thalhammer stierte die junge hübsche Frau aus München

lüsternd an. Es sprach aber nur der junge Nazibonze aus Mühldorf am Inn. Schwaegerl sagte direkt:“ Ich will den Kommunistenführer von hier Josef Wimmer, bald hinter schwedischen Gardinen sehen, was meinst du wie lange das noch dauert“. Faber antwortete ausweichend, er verwies auf die geniale Politik des Führers, welcher solche Gestalten bald aus dem Verkehr ziehen würde. Zufrieden nickte der Kreisleiter samt Anhang. Dann kam das Gespräch noch auf den jüdischen Pferdehändler Siegfried Hellmann aus Mühldorf. Auch ihn wollte der „strebsame“Kreisleiter bald im Gefängnis haben. Was sind das nur für verdorbene Kleinbürger dachte Faber, dabei hatte er besonders die beiden Händler in Schuh und Elektro- im Visier. Nach einiger Zeit entfernte sich die Nazibande, dabei vergassen sie jedoch nicht auf die „arische“ Schönheit Lores ausgiebig hinzuweisen. Nach dem Abzug der Bande kam endlich der Schweinebraten, der nicht mehr so gut schmeckte wie normalerweise. Josef Schmidt sagte den ganzen Abend über fast kaum ein Wort. Gegen Abend meinte er nur in der Wohnung,“das sind keine guten Menschen, weil sie keine guten Katholiken sind“. Anschließend gingen alle schlafen. Am nächsten Tag erwartete Hans Faber seinen Besuch aus München. Aus dem Zug in Kraiburg stieg Wilhelm Olschewski, ein wichtiger Mitarbeiter Fabers im Abwehrapparat, zudem ein wichtiger Funktionär aus dem so genannten „ Aufbruchkreis“welcher versuchte ehemalige Nationalisten, um den

Kommunismus herum zu sammeln. Hans Faber holte Wilhelm Olschewski mit dem Auto seines Schwagers am Bahnhof ab. Die beiden Funktionäre des Abwehrapparates begrüßten sich herzlich. Wilhelm Olschewski bedauerte nur, dass er „hier in die bayerische Prärie kommen müsse um mit Faber zu sprechen“. Faber lachte, denn Olschewski wohnte gar nicht so weit weg von ihm in München. Olschewski hatte seine Wohnung am Ende der Augustendstraße Haus Nr. 88.

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Hilferuf aus Burghausen

Faber verbrachte den 11. und 12 März in München. Er studierte die Zeitungen und neuesten Meldungen. Mittags wollte er in den Schellingsalon um etwas zu essen. Jedoch traf er an diesem Märztag den Nazistarfotografen Hoffman vor dem Lokal. Hoffmann hatte seinen Fotoladen kurz vor der Ecke Schellingstraße, Barerstrasse. Der Herr Fotograf lies es sich nicht nehmen, Faber statt in den Schellingsalon, in das Nazilokal Osteria ein paar Schritte weiter zu schleifen. Dort tummelte sich so einiges an örtlicher Naziprominenz. Aber der sich leutselig gebende Hoffmann wollte mit Faberalleine sprechen. Er bestellte für sich und Faber ein üppiges Mal. Den dazu bestellten Cognac lehnte Faber ab. Hoffmann galt als Alkoholiker. Lang und breit berichtete Hoffmann, wie schön es in Berlin war, welche Aufnahmen er von Hitler, Göring und Goebbels machen durfte. Sichtlich freute sich dieser schlechte Witzbold über seine gut laufenden Geschäfte. Auch von einer Spezialaufnahme des Ritters von Epp am heutigen Vormittag berichtete der Fotograf. Er sprach von geschäftlicher Expansion usw. In seinem Laden hielt ein gewisses Fräulein Braun während seiner vielen Außentermine die Stellung. Über Eva Braun wusste der KP Abwehrmann Faber, dass diese durch zarte Bande mit Hitler verbunden war. „ Du widerlicher



Kleinbürger und Spekulant“ dachte Faber beim Essen ohne sich etwas anmerken zu lassen. Dann eilte Faber in seine Kanzlei zurück. Natürlich verabschiedete er sich höflich von der dort herumsitzenden Nazibande. Er erkannte Amann, Esser und den Möchtegern Bürgermeister Fiehler, in einer Runde.



Schnell in den Bezirk Altötting Burghausen



Als Faber in sein Büro zurückkehrte machte ihn seine Sekretärin Berta auf ein dringendes Telegramm aus Burghausen aufmerksam. Es war ein Telegramm von seiner Mutter Lotte. In dem Telegramm stand: „ Bitte komm sofort, dein Vater braucht dich“. Schlagartig war Faber klar was passiert sein musste. Offensichtlich war auch sein Vater verhaftet worden. Umgehend telefonierte er mit der Polizeidienststelle Burghausen. Dort wurde dem RA. und Parteigenossen Faber bestätigt, dass sein Vater vorgestern festgenommen wurde. Nach Auskunft des Wachhabenden wurde er mit Simon Vorburger und Genossen in das Amtsgerichtsgefängnis Altötting verbracht. Die Verhaftung erfolgte am 10. März. Faber sprach auch mit dem Gefängnisleiter in Altötting. Dieser meinte, „ da ist vorläufig nichts zu machen, die Leute werden bald verschubt“. Dann probierte



Faber mit der NSDAP Kreisleitung in Mühldorf zu sprechen. Eine Sekretärin unterrichtete Faber davon, dass „ Kreisleiter Schwägerl nicht im Haus sei“. Immerhin erfuhr er wo Schwägerl war. Die Nazis vor Ort tagten in Permanenz bis spät Nachts in Neuötting im Wirtshaus „Münchner Hof“, des Limonadenherstellers und Nazis Zierhut. Das Lokal war Faber als Keimzelle der NS Bewegung im Kreis Altötting bekannt. Faber holte seinen PKW Adler Standard 8 und machte sich umgehend auf den Weg. Die Sekretärin Berta schickte der Mutter ein Telegramm. Darin wurde Mutter Lotteunterrichtet, dass Hans unterwegs ist. Die Fahrt nach Neuötting dauerte knapp 4 Stunden. Hans Faber hoffte Schwägerl oder andere Funktionsträger in Neuötting in dem berüchtigten Lokal in der dortigen Ludwigstraße. 76 anzutreffen. Tatsächlich, als Faber im Lokal auftauchte erkannte er sofort Schwägerl, den SS Mann Zierhut, den NSDAP Chef von Altötting Stubenhofer, den „Alten Kämpfer“ aus Neuötting Heinrich Hilleprandt, sowie den Teilnehmer am dilettantischen Hitlerputsch Franz Obermaier aus Altötting. Dazu den offiziellen Kreisleiter von Altötting Ludwig Malcomeß, welcher eng mit Fritz Schwägerl aus Mühldorf verbunden war. Der 1909 geborene Schwägerl galt als brutaler und durchsetzungsfähiger als Malcomeß. Beide waren aber jung und rücksichtslos, sowie durch irgendetwas besonders verbandelt. Dann erkannte Faber noch den Nazi Max Kammerer, sowie den



Kriegskameraden Hitlers Josef Schmidt, aus Garching an der Alz. Faber sah ihm unbekannte Polizisten, sowie den kleinen Nazifunktionär Lex ausAltötting.

Das Lokal war offensichtlich das NS Hauptquertier zwecks Koordinierung der Verhaftungen. Grinsend kam Schwägerl auf Faber zu. „ Na will uns ein Parteigenosse vom NS Juristenbund beistehen“ meinte der sich wie immer lässig gebende Kreisleiter. Faber schüttelte Schwägerl die Hand und schlug vor in einer Ecke des Lokals weiterzureden. Freundlich aber bestimmt wies ihn Faber auf die Verhaftung seines Vaters hin. Schwägerl meinte zuerst, „da nichts machen zu können“. Natürlich hatte die „Bayerische Politische Polizei“ und willige Staatsanwälte, die Verhaftungen angeordnet. Aber die Details über die zu verhafteten Personen kamen von der NS Kreisleitung Altötting-Burghausen . Auch führte oftmals, die örtliche SA, die Festnahmen durch. Die Ansammlung im „Münchner Hof“ hatte exekutive Vollmachten. Auf den Tischen waren Namenslisten ausgelegt. Die einzelnen Orte waren markiert. Die Wahlergebnisse der letzten Reichstagswahl am 5. März in den einzelnen Orten lagen aus. Faber meinte zu Schwägerl: „ Mein Vater ist krank und Frührentner, seinen marxistischen Unsinn wird er bleiben lassen Parteigenosse Schwägerl. Dafür verbürge ich mich“. Immer noch zögerte der Kreisleiter. Gegen Ende des Gesprächs versicherte Faber, sich bei Gauleiter



Wagner positiv für ihn zu verwenden. „ Ihre Härte gegen den Marxismus wird gewürdigt werden Parteigenosse Schwägerl“. Schwägerl schwankte aber dann gab er nach. Er besprach sich noch kurz mit dem ehemaligen Sozialdemokraten Malcomeß, welcher erst im Januar 1931 in die NSDAP eintrat. Faber wußte, dass Schwägerl oft auf Konferenzen der Partei ironisch als „ Maria hilf- Kreisleiter“ verspottet wurde. Vielen in München war der Unterschied zwischen Mühldorf und Altötting nicht so ganz klar. Fritz Schwägerl telefonierte mit verschiedenen Leuten im Nebenraum. Dann kam er zurück und sagte: „Parteigenosse Faber, du kannst deinen alten Herrn noch heute Abend aus dem Amtsgerichtsgefängnis in Altötting abholen, aber nicht gleich, es wird ihn noch ein Arzt besuchen außerdem kannst du uns noch ein paar Tipps geben wie es weitergeht, besonders im schwarzen Altötting, sowie im rot verseuchten Burghausen.“ Faber willigte ein, obwohl er am liebsten seinen Vater gleich abgeholt hätte. Ihm war klar, dass er bei und nach der Verhaftung misshandelt wurde. Die Nazibande war in ihrem Eifer kaum zu bremsen. Laufend trafen Kuriere ein und informierten Schwägerl und Malcomeß wer schon oder noch nicht gefasst wurde. Faber fragte als alter „ Burghauser“ ,wie viel von der Kommune schon dingfest gemacht wurden.

Der SS Typ Ziereis reichte ihm eine Namensliste. Darauf standen die Namen von mehreren



Kommunisten aus Burghausen. Faber las über die Festnahme von Haxpointner Alois, Schlosser- Scheibeck Stefan, Hilfsarbeiter Ober Hans, Schreiner Buchfellner Hans, Schreiner Klaus Alois, Fabrikarbeiter Huber Georg, Fabrikarbeiter Weinzierl Josef, Fabrikarbeiter, Gaßner Andreas, Fabrikarbeiter Riesinger Michael, Eisenbahner Fürhaupter Josef, Hilfsarbeiter. Ludwig Lankes Arbeiter. Noch nicht auf der Liste standen, Heinrich Breu, sowie den Kassierer und Org Chef der Burghauser KPD Josef Burghart. Offensichtlich sind sie untergetaucht. Fast alle waren Faber zumindest vom Namen her bekannt. Einige fehlten noch auf der Liste. Der Vertrauensmann von Faber vom Abwehrapparat aus Burghausen war den Nazis noch nicht ins Netz gegangen. Aber mit den Verhaftungen war die Partei faktisch zerschlagen. Der Neuöttinger Nazi Heinrich Hilleprandt wollte ebenfalls mit seinen Erfolgen nicht hinten anstehen. Freudig berichtete er von der Verhaftung des Altkommunisten Anton Griebl, sowie der Verhaftung des Jungkommunisten Fritz Wimschneider aus Neuötting. Faber fragte Hilleprandt ob er persönlich in die Verhaftung miteinbezogen gewesen sei. Heinrich Hilleprandt verneinte. „ Ich hab nur die Aufgabe Mütter und Geschwister abzuwimmeln. Die Polizei verhaftet selbständig und ich muss beispielsweise der Pflegemutter dieses Wimschneiders, einer Frau Maria Harlander auch noch den Sachverhalt erklären“ flüsterte Hilleprandt



schon fast bemitleidenswert. Dann mischte sich wieder Fritz Schwägerl ein: „ Ja ja, diese Harlander, mir wurde auch berichtet, dass sie regelmäßig beim Juden, dem Textilhändler Weiner hier einkauft. Wir haben noch viel Arbeit.“ Faber nickte und deutete an, dass bald eine Aktion im Reich gegen die Juden laufen wird. Die örtlichen Nazis horchten erfreut auf. Dann zog Schwägerl, Faber wieder in eine Ecke des Lokals. Er beklagte sich bei Faber besonders über die schwarze Brut im Landkreis Altötting. Dabei fielen die Namen Wehnert, Bruckmayer und Seidel, Gabriel Mayer ausAltötting, sowie der Name des jungen RA Gmach aus Neuötting. Faber beruhigte Schwägerl und meinte, „ die Schwarzen werden bald endgültig abtreten, der Herr Ministerpräsident Held wird verschwinden. Machen Sie doch den jungen Herrn Daniel Fandrey zum Bürgermeister von AltöttingParteigenosse Schwägerl, sprechen Sie darüber mit Malcomeß.“ Malcomeß hatte zugehört und meinte-“ In dem schwarzen Nest Altötting hatten wir nur 17,6% der Stimmen bei der Reichstagswahl am 5 März. Wir müssen zuerst den BVP Bürgermeister Gabriel Mayer loswerden. Wir sollten den Verleger Geiselberger zum Bürgermeister machen. Auch der ist ein „Schwarzer, aber gleichzeitig Verleger. Er gibt die wichtigste Zeitung hier heraus. Als Geschäftsmann wird er in unserem Sinn schreiben, dafür darf er einige Zeit Bürgermeister sein. Dann ist er erst fällig.“ Hans Faber hatte Malcomeß



unterschätzt. Offensichtlich hat er einiges in der SPD gelernt. Schwägerl nickte und bedeutete kurz vor Mitternacht, dass Faber seinen Vater aus dem Gefängnis abholen könne. Schwägerl vergas nicht darauf hin zu weisen ihn bei Gauleiter Wagner zu empfehlen. „ Mach ich du Verbrecher“ dachte Faber und brauste von Neuötting nach Altötting. Gegen 12 Uhr Mitternacht wurde Faber in das Amtsgerichtsgefängnis geleitet. Der diensthabende Beamte wußte Bescheid. Georg Faber saß nicht in der Zelle, sondern in einer Art Vernehmungszimmer. Er trug einen Verband, um den Kopf und rauchte. „Ha der Herr Sohn, hab ich jetzt einen Rechtsanwalt“ rief Georg Faber. „ Sei still Vater und komm mit. Ich bring dich nach Hause.“ Georg Faber stand auf und folgte seinem Sohn. Hans Faber

blickten einige verwirrte SA Leute hinterher, welche sich im Gefängnis aufhielten, als er mit dem Delinquenten davon schritt.

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Judenboykott“ in München



Am 30.März hatte sich Lore auf Anregung von Hans Faber Urlaub als Sekretärin von Röhm geben

lassen. Die Urlaubsbewilligung war nicht leicht zu bekommen. Lore musste eine dringende familiäre Angelegenheit erfinden und gleichzeitig ernsthaft versichern, sie wolle als überzeugte Nationalsozialistin, den Judenboykott in der Stadt München in Augenschein nehmen.

Daraufhin lachte Röhm, der freie Tag war bewilligt. Im vorauseilenden Gehorsam hatte der Münchner Bürgermeister Karl Fiehler den Judenboykott schon für den 30. März angekündigt. Lore begab sich zuerst zu dem renommierten Seidenwarengeschäft Heinrich Cohen. Die Vorfahren des Inhabers belieferten seit 1821 das bayerische Königshaus. Aber das interessierte, die pöbelnden Nazi Banditen in SA Uniform nicht im geringsten. Einige der größten Münchner Kaufhäuser gehörten Juden, zum Beispiel Hermann Tietz am Hauptbahnhof, oder Max Uhlfelder am Viktualienmarkt. Die Tuchhandlung Stark am Stachus zählte den Komiker Karl Valentin zu ihren Stammkunden. Edle und günstige Stoffe konnte man bei Eichengrün am Promenadenplatz oder Springer am Alten Peter kaufen.

Im Kunst- und Antiquitätenhandel waren Bernheimer, Rosenthal und Heinemann angesehene Häuser von internationalem Rang. Lore beobachtete überall das selbe Bild. SA-Posten beschmierten Schaufenster jüdischer Geschäfte mit der Aufschrift "Jude" oder "Bin in Urlaub in Dachau".

Schaufenster gingen zu Bruch. Sie wurden eingeschlagen und Kunden eingeschüchtert. Die SA pöbelte alle Kunden an. Einige wurden als „ Volksverräter“ fotografiert. Diese Bilder vermittelten Lore den Eindruck, dass sich der spontane „ Volkszorn“ nicht so recht einstellte. Sie beobachtete aus sicherer Distanz wie eine ihrer alten Freundinnen sich bei Tietz resolut zutritt verschaffte. Diese Bilder machten Lore Mut. Auch Hans würde es freuen.

In der Schraudolphstrasse. berichtete sie Hans von dem erlebten. Hans hatte in Erfahrung gebracht, dass der 1. April in München als eigentlicher Boykotttag faktisch abgesagt wurde. Auf der Straße traf er den widerlichen Schläger und Ex Pferdeknecht Christian Weber. Dieser beschwerte sich über die Passivität der Münchner. Weber meinte: „ In München hätte uns ein Julius Streicher vor der Aktion gut getan.“ Das war eine versteckte Kritik an Fiehler.

Faber stimmte zu. An Baum 6 hatte er zuvor von der Verhaftung von 200 Juden gehört.

 

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  1. Hans Beimler verhaftet

Von Lore erfuhr Hans Faber am 8 April, dass die SA im Verbund mit Polizeiangehörigen in Augsburg am nächsten Tag ein ganzes Stadtviertel abriegeln wollte. Insgesamt sollten hunderte von Wohnungen durchsucht werden. Schnell eilte Faber zu Baum 6



um für Rottmeier eine Nachricht in einem toten Briefkasten zu hinterlegen. Die Nachricht erreichte Rottmeier nicht mehr. Viele illegale Funktionäre der Augsburger KPD wurden verhaftet. Am 11. April saß

Lore ganz verzweifelt in der Wohnung in der Schraudolphstrasse. Hans Faber erkannte sofort, dass etwas passiert sein musste was der sensiblen Lore sehr zusetzte. „ Sprich“ sagte Faber, „ was ist passiert“? „ Euer Hans Beimler wurde verhaftet. Er sitzt in der Ettstrasse und wird brutal gefoltert. Die SA jubelt. Im Büro von Röhm knallten die Sektkorken. Gleichzeitig laufen immer wieder Berichte ein, wie Beimler misshandelt wird. Was sind das nur für Menschen Hans ?“ Hans Faber wurde blass er setzte sich und zündete sich eine Zigarette an. „ So sind sie die Faschisten“ platzte es aus Hans Faber heraus.

Er streichelte Lore durchs Haar und war selbst ganz niedergeschlagen. Hans Faber dachte: „Beimler ist ein tapferer lebenslustiger Mann. Beimlerwar und ist auch nicht immer absolut linientreu, obwohl er nach außen davon nichts durchdringen ließ. Außerdem ist er bei vielen Arbeitern sehr populär, denn er spricht ihre Sprache.“ Es war kein Wunder, dass die Nazis ihre Freude nicht verbergen konnten. Faber war der Überzeugung, Beimler würde trotz brutaler Foltermethoden nicht zusammenbrechen. Seine Verhaftung war ein schwerer Verlust für die KPD. Beimler kannte sein



München, aber auch den Menschenschlag in der bayerischen Hoch und Tiefebene. „Jetzt wird wohl

Franz Stenzer der neue Leiter“ dachte Faber. Das Hauptproblem für alle Landesleiter ist, die fehlende Bindung nach unten. Außerdem war das Spitzel- Problem mittlerweile sehr groß geworden. Dann legte er sich mit Lore ins Bett. Dieses mal versuchte sich Hans Faber in Massagekünsten und flüsterte Lore beruhigende Worte ins Ohr. Es tat ihm leid, Lore so in die Arbeit des Apparats einzubinden. Bis vor kurzem war sie noch ein hübsches Püppchen und nur an Mode sonderlich interessiert. Jetzt war das feinfühlige Wesen, jeden Tag den Wüstlingen in der SA Führung ausgesetzt. Zum Glück für Lore waren viele SA Führer homosexuell .Aber sie waren blutrünstig. Das schreckte Lore ab, sie wurde immer mehr zur Kommunistin und las gerade das „ Kommunistische Manifest“ von Marx und Engels. Die Verhaftung von Beimler setzte Faber zu. Er schlief sehr schlecht.

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Im Rathaus in Burghausen



Der Überläufer und Bürgermeister von Burghausen Fischer freute sich sehr am nächsten Tag Hans Faber im Rathaus begrüßen zu dürfen. Er wollte einiges über die Situation in München erfahren,

dann bot er an, eine „Facharbeit“ über das neue „nationalsozialistische Recht“ wie er sich vorstellte, an den Parteigenossen Frank schicken zu dürfen.Hans Faber nickte dem Bürgermeister aufmunternd zu und wollte noch etwas zur Machtergreifung in Burghausen am 9. März erfahren: Auf eine solche Frage hatte Fischer wohl nur gewartet, er fragte Faber ob er frei sprechen dürfe ? „ Natürlich“ antwortete Faber: Der frische Nazi Fischer legte los: „ Ohne mein -zutun wäre es hier schwierig geworden. Entschuldigen Sie aber



dieser Malcomeß ist ein Prolet. Er marschierte mit seinem engsten Anhang hier auf – insgesamt 20 Leute- und wollte die Hakenkreuzfahne hissen. Ihm gegenüber standen mindestens 40 rauflustige und kräftige Kommunisten unter Führung des Kunstschützen Simon Vorburger welcher einst Jahrmarkt-schütze war und der großgewachsene Alois Haxpointner. Die Kommune versperrte den Zugang zum Rathaus. Als Agitator kam dann noch Ludwig Aigner hinzu. Der bekannte Heinrich Breu rief mehrmals – Tod den Mordfaschisten- In Telefonaten mit unserem gebildeten Parteigenossen Dr. Georg Basel vom Café Stegmüller aus, klärte ich die Lage. Der Ludwig Malcomeß ist ja nicht gut auf gebildete Leute zu sprechen. Ich informierte auch die Wacker Direktion. Es durfte zu keinem Bürgerkrieg in Burghausen kommen. Ich forderte Polizei an, welche dann die Kommune abdrängte. Gegen 21 Uhr erklärte ich mich vor dem Rathaus-für die -Neue Zeit- übergab den Schlüssel und die Fahne des Reiches wurde gehisst.“ Faber wollte von dem „ Märzgefallenen“ Bürgermeister Fischer noch wissen ob es noch weitere Vorfälle gab. Fischer erzählte dass nach den Verhaftungen am 10 März sich Breu und Genossen in des Haus des bereits verhafteten Ludwig Lankes in der Unghauserstrasse schlichen und dort zwei Tage nach den Vorfällen ein Flugblatt druckten, in welchen sie zum Widerstand aufriefen. Tatsächlich konnten noch knapp 200 solcher Blätter in der



Wacker Siedlung verteilt werden. Faber fragte welche Folgen das hatte, woraufhin Fischer antwortete, „ keine wir haben hier brave Arbeiter und die SPD hat Angst. Mittlerweile sitzen alle führenden Kommunisten. Nur unser Kreisleiter Malcomeß macht noch Probleme. Er mag keine Leute mit Studium und kehrt ständig den Proleten heraus. Nach meinem Kenntnisstand greift er alle alten Kämpfer der Partei an. Er umgibt sich nur mit jungen ungebildeten Leuten, hübschen Frauen und säuft mit Arbeitern herum, die ihm nach dem Mund reden. Mir tut der verdiente Kämpfer Dr. Basel leid, dass er, der qualifizierte Nationalsozialist und Chemiker sich laufend mit solchen Dingen herumschlagen muss. Dieser Malcomeß schreibt in seinen Aufrufen immer das Wort Hakenkreuz verkehrt. Immer mit CK statt einfach mit K.“ Hans Faber trank den Kaffee, verzehrte einige Brötchen und versuchte so schnell als möglich die Amtsräumlichkeiten zu verlassen. Natürlich sicherte er dem Bürgermeister zu, sich bei Hans Frank für ihn zu verwenden.“ Du widerlicher Überläufer willst immer oben schwimmen,“ dachte Hans Faber nachdem er sich zackig von dem Würdenträger verabschiedet hatte.

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Im Bratwurstglöckel



Einige Tage nach der Flucht von Hans Beimler, besuchte Hans Faber, das „Bratwurstglöckel in der Münchner Innenstadt. An dem seit 1924 bestehenden Stammtisch der SA, saß Ernst Röhm mit einem jungen hübschen Kerl, dazu ein finster brutal dreinschauender Typ in SS Uniform. Der



Gastwirt Karl Zehnter, begrüßte Faber sehr herzlich. Nachdem sich Faber setzte, stellte sich eine Gestalt in SS Uniform vor. Er hieß Hilmar Wäckerle, er war der berüchtigte Kommandant des Konzentrationslagers Dachau. Faber wußte, dass Wäckerle stets mit Schäferhund und Ochsenziemer im KZ unterwegs war. Im Vergleich zu ihm war Röhm mit seinen Reitkünsten, seinen musikalischen Kenntnissen und der sogenannten „ Soldatenethik“ ziemlich kultiviert. Wäckerle prügelte und tötete nach Gusto im KZ. Der Sadismus war Wäckerle ins Gesicht geschrieben. Aber Faber war ja nicht im Lokal um Gesichter zu studieren sondern er wollte Details zur Flucht von Beimler, direkt von dem Chefpeiniger erfahren. Ohne Umschweife fragte er Wäckerle, „wie ihnen der Beimler entwischen konnte“. Diese Frage gefiel Ernst Röhm, er forderte Wäckerle auf zu erzählen. Der blass gewordene Lagerkommandant stotterte los. „ Drei Leute von mir schlugen den Beimler mit einem Ochsenziemer scheinbar windelweich. Auf Befehl von mir wurde der Bolschewistensau ein Strick in die Zelle gehängt. Dem Beimler wurde geraten das Angesicht der Erde nicht länger mit seiner Anwesenheit zu beschmutzen. Es wurde ihm eine Frist von zwei Stunden gegeben. Aber der Kerl hängte sich nicht auf, sondern er erdrosselte nach zwei Stunden einen meiner Männer, zog sich dessen Uniform an und marschierte aus dem Lager grüßend hinaus.“ Röhm grinste auf Kosten von Wäckerle und meinte:





„ Meinen SA Leuten wäre das nicht passiert“. Da war sie wieder zu spüren, die bestehende Rivalität



zwischen dem SA Stabschefs Röhm und Heinrich Himmler. Dann setzte sich noch eine Gruppe weiterer Personen an den Tisch. Es kam die engste Umgebung von Ernst Röhm. Es waren die Herren Karl Leon Du Moulin-Eckart, der Chef der SA Stabswache Julius Uhl, der neue Polizeikommandant von München August Schneidhuber, sowie Graf Spreti-Weilbach, welcher wohl derzeit in München war. Die Banditengruppe von Röhm amüsierte sich ebenfalls über die Flucht von Beimler. Der speziell für Röhm mordende Julius Uhl, nannte Beimler „ einen ganzen Mann im Gegensatz zur blöden SS“. Alle lachten, nur Wäckerle nicht. Dann versuchte Wäckerle aufzutrumpfen: „ Als Racheexempel ließ ich sofort den Ex KPD Orgchef SeppGötz im Arrestlokal der SS am 9. Mai erschießen. Auch der ehemalige KP Landgasabgeordnete Fritz Dressel wurde liquidiert.“ Dazu meinte Schneidhuber: „ Ja ja, aber der Beimler ist trotzdem weg.“ Röhm empfahl Schneidhuber, der jetzt formal in München über Heinrich Himmler stand, den „ Heini mit seiner unfähigen Truppe schärfer an die Kandare zu nehmen.“ Alle lachten zustimmend. Faber wußte nun ziemlich viel über die Flucht von Hans Beimler, ohne Leute vom Abwehrapparat der KPD zu treffen. Unter einem Vorwand verabschiedete er sich, denn er hatte keine Lust auf längeren Bierdunst, sowie



den dazugehörenden schwülstige Reden. Röhm meinte noch zu Faber beim Abschied: „ Mit deiner Lore bin ich sehr zufrieden. Pass nur auf, dass sie



nicht auf einen auf Frauen stehenden Kerl aus meiner Umgebung hereinfällt“. Wieder lachten alle, diesmal über die offen zugegebene Homosexualität ihres Chefs. „ Mache ich, mache ich“ sagte Faber und verschwand.

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Mit Hans Beimler in Dürrenroth



Pünktlich erschien Hans Beimler im Hotel und fragte nachdem die Gesellschaft ihre Zimmer bezog nach dem RA. Müller. Der Wirt geleitete sie persönlich in den Raum. Nachdem der Wirt abzog lagen sich Hans Beimler und Faber in den Armen. Dann stellte Beimler, Fritz Sperling vor. Aber auch für diesen hieß Faber, Müller. Die Frau ein hübsches Wesen hieß Toni. Offensichtlich war sie die Geliebte von Hans Beimler. Hans Beimler konnte sich seine „Frauengeschichten“ auch in der Emigration nicht abgewöhnen. Obwohl seine Frau Centa immer noch von den Nazis inhaftiert war. Aber das störte Hans Faber nicht. „Der Beimler war halt so“ dachte Faber. Fritz Sperling war ein schmächtiger intelligenter



Genosse. Dann wurde Antonia nach oben geschickt, um mit Lore etwas zu unternehmen. Es wurde über die Lage in Deutschland und speziell in



Bayern gesprochen. Beimler berichtete ziemlich unverblümt über die Auseinandersetzungen in der Emigration. Ohne jegliche Geheimniskrämerei erzählte Beimler, wie sich auf der einen Seite Schubert und Schulte, mit Ulbricht, Wehner und Pieck, zofften. Für Beimler war das mehr als ärgerlich. Am wenigsten traute er Ulbricht und Wehner. Tief bedauerte er die Verhaftung von Jonny Scheer, den amtlich bestimmten Nachfolger von Ernst Thälmann. Beimler rechnete nicht damit, dass Jonny Scheer noch sehr lange leben würde. Beimler erzählte von der Liquidierung des Verräters Kattner in Berlin durch Leute vom Abwehrapparat. Nach Meinung von Beimler, aber auch von Sperling würde das Scheer und andere Genossen büssen müssen. Dann berichtete Hans Faber lang und ausführlich über die Lage in der Nazipartei und den Konflikt zwischen NSDAP und SA. Fritz Sperling schrieb intensiv mit. Zur Lage der illegalen KPD in Bayern meinte Beimler: „ Hauptsächlich arbeiten wir über die Rote Hilfe. Massenaktionen sind absolut unmöglich. In München ist ein ehemaliger örtlicher -Rote Hilfe- Funktionär, Max Troll aus Giesing, unter dem Namen „Theo“ sehr rührig. Er arbeitet im -Deutschen Museum. Ein anderer Genosse hat in der Nähe in der Au ein Radiogeschäft, das Geschäft ist der Anlaufpunkt für auswärtige Genossen, sowie



für Materiallieferungen. Max Troll war schon einmal hier in der Schweiz. Er ist keine theoretische Leuchte aber sehr nützlich. Gut ist auch, dass er vor



dem Januar 33 nicht sehr bekannt war. In München arbeiten die Genossen maximal in Fünfergruppen. Solche Gruppen gibt es überall in allen Stadtteilen. Betriebsgruppen gibt es noch bei AGFA und bei der Eisenbahn. Das Problem ist seit der Verhaftung von Häbich und Stenzer, dass die „ Neue Zeitung“ kaum mehr erscheint. Um den Parteibetrieb am laufen zu halten brauchen wir noch mehr Leute vom M- Apparat.“ Dem widersprach Faber entschieden. Hans Faber machte auf die Spitzelgefahr aufmerksam und fragte nach dem Hintergrund von Max Troll. Beimler sprach von einem ehrlichen „ Arbeiter“ usw. Faber sprach sich auch gegen die engere Heranziehung von Fritz Rottmeier in die eigentliche Parteiarbeit aus. Beimler reagierte etwas unwirsch. Er meinte „ihr vom Abwehrapparat wollt immer so arbeiten wie der NKWD“. Daraufhin machte ihm Faber gewisse Vorwürfe bezüglich des Verschleißes der M Leute, durch die Partei. Faber bestand so weit als möglich auf die Unabhängigkeit des M- Apparates. Dann wollte Fritz Sperling noch etwas zu den Fraktionsauseinandersetzungen innerhalb des deutschen Monopolkapitals wissen. Faber meinte: „ Die Junker, sowie die Schwerindustrie stehen absolut hinter Hitler. Er beginnt mit dem Aufrüstungsprogramm. Alle Fraktionen der Bourgeoisie sind damit zufrieden,



dass ihre Kapitalverwertungsbedingungen sich durch die Zerschlagung der Arbeiterbewegung schlagartig verbesserten. Teile des Chemie und Elektrokapitals sind jedoch mit der Abenteuerpolitik



des Herrn aus Braunau vorläufig noch nicht ganz im Reinen. Diese Kapitalfraktionen hoffen auf einen Ausgleich mit der Entente, weil sie meinen auch friedlich ihre Absatzgebiete im Westen zurückzuerobern. Dieser Gegensatz wird sich allerdings in Luft auflösen, wenn speziell die Chemiebosse einen enormen Auftragsschub im Rahmen des Rüstungsprogramms erhalten. Deshalb beginnt sich auch die Chemie und Elektro-Bourgeoisie von Röhm abzuwenden. Carl Duisberg von den IG Farben hat nur noch ein paar Spenden für notleidende alte Kämpfer der SA hinbekommen. Im lauf des nächsten Jahres werden sich endgültig alle Fraktionen auf Hitler verständigen. Der lumpenproletarischen SA steht eine blutige Abrechnung bevor.

Röhm war nützlich aber jetzt gefährdet er mit seinen Leuten das reibungslose funktionieren des Staatsapparates. Ein Heines ist nur ein Totschläger, aber kein gelernter Beamter wie Gestapo Müller. Ein Karl Ernst mag zwar der Damenwelt in Berlin gefallen. Aber als Polizeipräsident und preußischer Staatsrat ist er eine Fehlbesetzung. Es ist kein Wunder, dass Hitler den ehemaligen Leiter des Präsidialamtes von Ebert und Hindenburg nicht absetzt. Er hat ihm auch den Posten im Falle des



Ablebens von Hindenburg bereits garantiert. Oder nehmt den Fall Heinrich Lammers, er ist jetzt Chef der Reichskanzlei. Lammers war in der Weimarer Republik seit 1920 im Innenministerium in der Abteilung 1 beschäftigt. Das war die Behörde



welche Prozesse des Reiches gegen die Länder führte. Das sind die gelernten Typen welche der bürgerlich faschistische Staatsapparat benötigt. Ähnliches kann in Bayern beobachtet werden. Der Apparat ist fast gleich geblieben. Die SA kommt sich betrogen vor. Aber mit diesen SA Leuten kann man höchstens einen Bürgerkrieg führen, sonst nichts.“ Beimler dankte Faber für seine, auch für ihn zutreffende Analyse. Niemand in dem Kreis sprach vom„ ununterbrochenen revolutionärem Aufschwung“ wie es in den offiziellen Kominterndokumenten noch zu lesen war. Bevor Beimler samt Begleitung gegen 22 Uhr aufbrach erzählte er Hans Faber noch etwas: „ Hans du kannst dich doch noch an unseren königlich bayerischen Sozialdemokraten Erhard Auer erinnern. Den traf ich kürzlich in Zürich in einem Kaffeehaus. Er lebt jetzt als Rentner seit Juli in der Schweiz. Es geht ihm nicht schlecht. Mit mir wollte er nicht reden. Er sei jetzt Rentner und habe genug von der Politik. Später erfuhren wir noch, dass er mit Hilfe von Reichsstatthalter Ritter von Epp in die Schweiz übersiedeln durfte. Da kann man doch glatt die Parole vom -Sozialfaschismus- ernst nehmen.“ Alle lachten. Mit der Geschichte wollte Hans



Beimler andeuten, dass er nicht unbedingt mit der Parteilinie der KPD einverstanden sei. Diese Information war für Hans Faber sehr wichtig.

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Ein Anpfiff von Ulbricht



Gollmik führte Hans Faber in ein Lokal in der Nähe des Prager Bahnhofes. Hinter einem Vorhang saßen Walter Ulbricht und der ehemalige Reichstagsabgeordnete Wilhelm Koenen. Ulbricht war wie üblich nicht besonders freundlich, im Gegensatz zu Wilhelm Koenen. Hans Faber wurde wie ein Angeklagter von Ulbricht vernommen. Zwar betonte des Sachse wie " wichtig die Berichte von Faber seien". Dennoch fing Ulbricht an Faber, in die Nähe von Neumann und Remmele, zu rücken. Ulbricht bezweifelte die " Popularität des



Naziregimes". Ulbricht ging offensichtlich immer noch von einer kurzen vorübergehenden Phase aus. Gleichzeitig lies er nicht jeglichen Realitätsinn vermissen. Vorsichtig deutete Ulbricht eine





Annäherung an die SPD Führung an. Er sprach nicht mehr vom " Sozialfaschismus der Sozialdemokratie". Das war eine klare Gegenposition zur Haltung von Schubert, Schulte und teilweise von Franz Dahlem. Völlig überzogen war hingegen seine Kritik am Kippenberger Apparat. Hans Faber verteidigte hingegen Kippenberger, sowie besonders Leo Roth. Dann machte sich Ulbricht noch Notizen über die Internas aus der Naziführung. Hitler war nach dem Tod von Hindenburg " Reichskanzler und Führer" in Personalunion. Die Reichswehr wurde auf Hitler vereidigt. Dies geschah nur deshalb weil die sogenannte " Röhm Revolte" niedergeschlagen wurde. Die Bericht von Faber über den Ansehensverlust der SPD Führung im Reich wurden von Ulbricht ignoriert. Wilhelm Koenen fragte Faber was er eigentlich wolle: Faber schlug eine dringliche Annäherung an die " Revolutionären Sozialisten" also " Neu Beginnen" mit ihrer starken österreichischen Basis vor. Faber schilderte die Tatsache, dass nur die zuletzt genannten Gruppen den sozialdemokratischen Widerstand an der Basis im Reich darstellten. Ulbricht winkte ab, und meinte wie wichtig seine Kontakte in Prag zu Otto Wels, Otto Bauer und Friedrich Stampfer, seien. Das bezweifelte Faber nicht. Hans Faber hatte im Urin das Gefühl, dass Ulbricht eine elementare Änderung der Parteilinie anstrebte. Letzteres störte





Faber nicht. Er hatte nur das Gefühl, " dieser Ulbricht und Andere werden sicherlich das Kind gleich mit dem Bade ausschütten". Ohne Selbstkritik bezüglich der Politik bis heute, musste jede Änderung der Parteilinie neue Verwüstungen anrichten.

Dann fragte Ulbricht Faber nach seinem Verhältnis zu Hans Beimler in der Schweiz aus. Faber schilderte Beimler „als guten Revolutionär. " Tja aber einer der seine in Deutschland sitzende Frau, mit einer „Trotzkisten betrügt" meinte Ulbricht. Hans Faber nahm Abstand davon Ulbricht von seinem Verdacht gegen Max Troll aus München zu informieren. Faber befürchtete, dass Ulbricht das nur benützen würde, um Beimler und Sperling in der Schweiz abzuservieren. Er musste mit Beimler selber reden oder sie über Leo Roth ( Viktor) informieren. Gegen Ende des " Verhörs" durch Ulbricht gab es noch eine ziemlich scharfe Debatte über den " Mordvorschlag" von Faber bezüglich Hitler und Göring. In einem Text welcher sich in den Händen von Ulbricht befand verwies Faber auf die Notwendigkeit Hitler und Göring, physisch zu liquidieren. Faber hatte in einem Brief für den Apparat einen individuellen Terroranschlag gegen die beiden Naziführer vorgeschlagen. Faber begründete dies mit der Sonderstellung Hitlers, dem nur Göring nachfolgen könne.

Faber spekulierte über die dann einsetzenden Cliquenkämpfe, sowie dem Verlust der Stabilität des

Regimes. Ulbricht nutzte dieses Schreiben um Faber " sozialrevolutionäre anarchistische Neigungen" zu unterstellen. Provokativ fragte Ulbricht, ob Faber Lenin nicht gelesen hätte, sowie dessen Stellung zum "individuellen Terror". Faber platzte der Kragen. Scharf wies er auf den Unterschied zwischen dem russischen Zarismus und dem Hitlerfaschismus hin.

Faber betonte, dass für ihn die Methode von Marx und Lenin entscheidend sei und nicht heruntergeleierte Zitate. Ulbricht sprang auf und betrachtete das Gespräch als beendet. Er schoss aber noch einen bösen Pfeil gegen die gerade nach Moskau abgereiste Lore ab. " Übrigens Faber ihre Lore ist zwar eine gute Sekretärin aber auch eine Dame mit Fingernagelmaniküre. Ein Aufenthalt im proletarischen Moskau wird ihr gut tun." Dann durfte Faber zurück zum Bahnhof laufen. Wilhelm Koenen schüttelten ihm wenigstens noch die Hand. Wütend und depressiv reiste Hans Faber zurück nach Karlsbad ins noble Hotel Imperial.

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Nach Freiburg zu Hermann Frieb



Mitten im Oktober traf er die Mutter von Hermann Frieb in der Arcisstrasse. Paula Frieb berichtete ihm von der Krankheit ihres Mannes und davon dass Hermann Frieb jun. kurz davor stand an der Universität Freiburg sein Studium der „ Volkswirtschaft“ erfolgreich zu beenden. Faber gratulierte höflich und bedauerte die Krankheit von Frieb sen. Plötzlich sagte Paula Frieb: „ Sie sollen morgen um 16 Uhr bei Baum 3 sein“. Faber nickte verwirrt. „War die Mutter des jungen Sozialisten etwa auch bei -Neu Beginnen- ?“ Faber traute ihr das zu. Gleichzeitig war er nervös. Es konnte und durfte nicht sein, dass „ Mütter“ über ihn Bescheid wussten.

Am nächsten Tag war Faber mit Poldi pünktlich an Baum 6 im „ Englischen Garten“. Dort trat ein noch sehr junger Mann, Faber schätzte ihn auf höchstens



18 oder 19 Jahre auf in zu und überbrachte ihm Grüße von Hermann Frieb. Frieb wollte in absehbarer Zeit nach München zurückkehren und für „ Neu Beginnen“, die illegale Arbeit organisieren. Faber rechnete damit, dass er die Steuerkanzlei seines sehr kranken Vaters übernehmen würde. Der junge Mann welcher in der nun verbotenen SAJ politisiert wurde berichtete Faber, von ihren illegalen Aktivitäten.

Er schimpfte auf die im Land verbliebenen alten SPD Politiker. „ Die treffen sich höchstens zu einer Schafkopfrunde dort werden zwischendurch ein paar kritische Bemerkungen über das Regime gemacht. Das ist ihr ganzer Widerstand. Wir hingegen machen viele Touren mit dem Rad aufs Land. Dort lesen wir im Haus der Friebs am Ammersee Lenin, versuchen an Waffen zu kommen und verteilen Material an Sympathisanten. Klebeaktionen oder massive Flugblattverteilungen lassen wir bleiben. Das ist im Moment zu gefährlich. Damit es noch besser klappt brauchen wir Hermann.“ Der junge Mann war Faber sehr sympathisch. Anschließend steckte er Faber einen Zettel mit einer Adresse in Freiburg zu. „ Hermann will sie dort am 30. Oktober treffen“. Am 29. Oktober reiste Faber vom Münchner Hauptbahnhof ab. Natürlich hatte er sein Parteiabzeichen am Jackett. Nach einigen Stunden kam Faber in Freiburg an. Vom Bahnhof aus war es nicht weit in das vom Faber gebuchte Park Hotel in der Freiburger



Innenstadt. Freundlich wurde der Rechtsanwalt Faber in sein luxuriös ausgestattetes Zimmer gebracht. Faber viel beim Rundgang durch das Hotel auf, dass der Konspirationskünstler Frieb das Hotel nicht zufällig ausgesucht hatte. Das Hotel hatte mehrere Eingänge. Nicht nur zentral sondern auch dezentral, von verschiedenen Seiten her. Morgen wollte ihn Frieb gegen 14 Uhr im Hotelzimmer aufsuchen. Gegen Abend unternahm Faber einen Spaziergang durch das schöne Freiburg. Poldi freute sich sichtlich nach der langen



Zugfahrt eine neue Gegend zu erschnuppern. Faber selbst dachte in der Altstadt sowie auf einem bekannten Berghügel in Freiburg, wie schön das Leben doch ohne Faschismus und Kapitalismus sein könnte. Am Abend schrieb Faber per Hand seine Einschätzung der Lage. Besonderen Wert legte Faber auf die absolute Notwendigkeit des Antisemitismus für die Stabilität des faschistischen Systems in Deutschland.

Faber schrieb: „ In Deutschland gibt es knapp 23 Millionen Kleinbürger vom Bauernstand, zum Handwerker, Händler Akademiker und Beamten. Der Antisemitismus mobilisierte besonders diese Schichten für das System. Ihre sozialen Nöte von der Inflation 1923 bis hin zur großen Krise ab 1929 wurde ihnen mit dem angeblich raffenden jüdischem Kapital erklärt. Gleichzeitig profitieren gierige



deutsche Kleinbürger von den antisemitischen Maßnahmen des Systems. In München sind fast 100% der Zahnärzte Mitglied der Nazipartei. Sie übernehmen die gut gehende Zahnarztpraxis von deutschen Juden zu lächerlichen Preisen. Ihre Sauferei in diversen Burschenschaften hatte demzufolge für sie keine nachhaltigen Folgen. Die nicht talentierten ehemalige Säufer und Schmiss-träger wurden Zahnklempner. Schon im Kaiserreich wurden die jüdischen Studenten vom antisemitischen Professorenpöbel benachteiligt und demzufolge mehr gefordert als der Student aus der Burschenschaft. Jetzt schanzt der Faschismus den -arischen Recken- die gut gehende jüdische Praxis zu. Das selbe passiert im Handel. Allerdings profitieren davon nicht die

Kleingewerbetreibenden sondern meist große deutsche Handelsketten. Der kleine deutsche Händler bekommt nur das kleine jüdische Geschäft um die Ecke. Der Antisemitismus ist populär und bindet die kleinbürgerlichen Massen an den Hitlerfaschismus. Die Arbeiterklasse hingegen hat mit dem Antisemitismus wenig am Hut. Sie ist eingeschüchtert, gespalten und deprimiert. Viele Schichten innerhalb unserer Klasse, arrangieren sich mit dem Regime, denn die Massenarbeitslosigkeit geht jetzt langsam zurück. Für viele ehemalige Langzeitarbeitslose ist das ein Grund sich anzupassen. Dies obwohl die Löhne stagnieren.“ Dann schrieb Faber noch über die



Widerstandsgruppen: „ Die KPD brachte bis dato die meisten Opfer. Ihre Vorbereitungen auf die Illegalität waren nur zum Teil effektiv. Zwar konnten

viele höheren Kader mit der Ausnahme von Ernst Thälmann und Jonny Scheer gesichert werden, aber der Mittelbau der Partei wurde schwer vom faschistischen Terror getroffen. Oft hingen die höheren illegalen Kader in der Luft. Gleichzeitig ist es der GESTAPO gelungen viele Spitzel anzuwerben und in die KPD einzuschleusen. Dennoch leistet die Masse der Mitglieder in unterschiedlicher Form Widerstand. Die Masse der KPD Mitglieder, blieben ihrer Überzeugung treu.“ Über die SPD schrieb Hans Faber:

„Der Exilvorstand in Prag ging scheinbar nach links. Viele Funktionäre im Land halten allerdings

die Klappe. Sie wurden passiv. Die Materialmengen aus der Emigration erreichen nur zum Teil die Empfänger. Vor allem ehemalige Reichsbanner Genossen und Mitglieder der einstigen sozialistischen Jugend, wollen mit der einstigen SPD nichts mehr zu tun haben. Sie bewegen sich in Richtung des revolutionären Sozialismus. In den Betrieben herrscht bei den ehemaligen Gewerkschaftsmitgliedern und besonders den alten Funktionären, Resignation und Angst vor. Leute um die fünfzig sind nicht mehr bereit etwas zu riskieren. Deshalb ist es nötig sich besonders auf Jugendliche zu stützen. Schulungsarbeit ist der



wesentliche Punkt.“ Über andere kleinere sozialistische Gruppen schrieb Faber: „ Die SAP nähert sich dem Trotzkismus an. Besonders Jakob

Walcher und Paul Fröhlich konferierten öfter mit Leo Trotzki und seinem Sohn Leo Sedow. Ob aus der Vereinigung mit den Trotzkisten etwas wird ist noch offen. Im Reich sind noch viele SAP Gruppen aktiv. Sie standen am Anfang der faschistischen Diktatur nicht im Fokus der Verfolgung. Ihre aktiven Mitglieder sind meist jung. Auch in München gibt es eine kleine illegale SAP Gruppe. - Neu Beginnen- muss vorsichtig aber zielstrebig den Kontakt mit diesen Gruppen suchen. Ihren ehemaligen Spitzenfunktionären gelang es meist in die Emigration zu entkommen. Ähnliches gilt für die KPO. Brandler und Thalheimer sind in Paris. In Deutschland verfügt die KPO noch über Wohn und Betriebsgruppen. Nur in Nürnberg gelang es den Nazis die KPO fast vollständig zu elemenieren. Karl Grönsfelder war den Nazis in Nürnberg bekannt. Auch die anderen Mitglieder aus Nürnberg wurden ziemlich früh in die Konzentrationslager verbracht. Über das Elsass in Frankreich in der die KPO starke Gruppen hatte und hat, wird illegale Literatur ins Reich geschafft.

Die Trotzkisten welche sich jetzt IKD nennen sind in kleinen Gruppen aktiv. Hauptsächlich in Berlin in Sachsen und im Ruhrgebiet. Viel illegale trotzkistische Literatur wird durch die sogenannten



-Roten Bergsteiger- vom Sudetenland aus nach Sachsen geschmuggelt. In Deutschland schätze ich die Zahl der aktiven IKD-ler auf 200. In Bayern hingegen ist keine einzige trotzkistische Gruppe

bekannt. Alte KPD Prominenz wie Ruth Fischer, sowie Artkadi Maslow, arbeiten in Paris eng mit den Trotzkisten zusammen. Dann gibt es noch andere kleinere Gruppen im Reich. In München sind die -Internationalen Sozialisten- noch zusammen. Auch hier empfehle ich eine Kontaktaufnahme.“ Gegen 21 Uhr war Faber mit dem Bericht fertig. Er ging noch in die Hotelbar. Ein Pianospieler bediente das Klavier ziemlich gekonnt. Faber trank milden roten Wein. Eine Dame um die 30 oder 40 lächelte ihn an. Er kam mit ihr ins Gespräch. Ziemlich schnell merkte Faber worauf die brünette Schönheit hinaus wollte. Faber entfernte sich jedoch schnell aus der Bar. Er durfte seinem Testosteron nicht nachgeben. Er dachte an Karlsbad, sowie an das Versprechen

welches er Lore gegeben hatte. Seit Karlsbad sah er in jeder willigen beziehungsweise geilen Dame in den Hotels, eine GESTAPO Agentin. Hans Faber schlief schlecht aber ausreichend.

Nach einem ausgiebigen Frühstück, sowie einem längeren Spaziergang mit Poldi wartete Faber auf Hermann Frieb im Hotelzimmer. Pünktlich um 14 Uhr klopfte es sechsmal an der Zimmertür. „ Herein“ sagte Hans Faber. Der unauffällige Hermann Frieb trat ein. Wieder schoss es Faber durch den Kopf



wie geeignet der junge Mann für illegale Arbeit war. Eigentlich bemerkte man seine Anwesenheit gar nicht. Die angebotene Zigarette lehnte Frieb ab. Er

war Abstinenzler, welcher weder rauchte noch Alkohol trank. Die beiden Männer unterhielten sich intensiv über die Lage speziell in München und Südbayern. Frieb wollte nach München zurückkehren. Der Beruf als Steuerberater im Geschäft seines Vaters war eine perfekte bürgerliche Tarnung. Faber berichtete über die illegale KPD in Bayern. Die Verhaftungen in dieser Szene hörten fast ganz auf. Aber die Gestapo nahm immer wieder Kuriere, wichtige Kuriere aus der Emigration fest. Hans Faber äußerte auch gegenüber Frieb seinen bösen Verdacht. Faber bemerkte: „ Es ist durchaus möglich, dass die GESTAPO ihre Leute in in der bayrischen Leitung der KP hat. Leute von draußen werden regelmäßig verhaftet. Auch viele welche versuchen in die Emigration zu gelangen. Letztere werden in einem Radiogeschäft in der Nähe des -Deutschen Museums- mit Papieren ausgestattet. Das macht ein gewisser -Theo- oder der -kleine Willi-. Mir schwant böses. Vielleicht will die GESTAPO, die KPD an der langen Leine führen, um anschließend alles aufzurollen.“ Frieb machte sich Notizen. Er meinte „dies sei nicht gefährlich er könne Stenografie und sein Steno könne nur er selber lesen“. Faber lachte. Dann erläuterte Frieb seine Pläne. „ In München wird alles streng konspirativ

ablaufen. Schulungen aber auch die Pflege und Erweiterung der Waffenbestände wird ganz wichtig sein. Ich stütze mich vor allem auf ehemalige Arbeitersportler, Reichsbannerleute, aber

auch auf einzelne ältere Sozialdemokraten. Die Masse der alten Bonzen sind weder Willens noch bereit Widerstand zu leisten. Natürlich gibt es einige Ausnahmen. Alles wird auf der politischen Basis der – Revolutionären Sozialisten- ablaufen. Wir treffen uns wie üblich wenn ich wieder in München bin wieder einmal die Woche bei Baum 3.“ Faber wies daraufhin, dass er nur mit ihm kommunizieren werde. Alles andere sei zu gefährlich. Frieb nickte und sagte: „ Auch meiner teuren Mutter werd ich nichts mehr von dir erzählen.“ Dann schlich der tapfre junge Sozialist wieder aus dem Zimmer. Den Bericht von Faber werde er morgen auf sicherem Weg über die Schweiz zu Knoeringen in der Tschechoslowakei befördern lassen. Faber machte sich keine Sorgen.

Bildergebnis für hermann frieb



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Bild  des Autors - Max Brym- gemalt von Gazmend Freitag